Die 13 Monate - literatoene

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Die 13 Monate

Erich Kästner
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Vorwort von Erich Kästner (Auschnitt):
Die hier gesammelten Gedichte schrieb, im Lauf eines Jahres, ein Großstädter für Großstädter. Links von Block und Bleistift lag der fünfte Band des Kleinen Brehm, 'Die deutsche Tierwelt'. Zur Rechten lagen 'Unsere Pflanzenwelt' und ein Leitfaden, der, fragwürdig genug, 'Die deutsche Schulflora' hieß. Die Bücher mussten zur Hand sein. Eine Zeitschrift hatte die Gedichte bestellt. Illustriert werden sollten sie außerdem. So blieb dem Autor nichts übrig, als dem Kalender vorzugreifen. Den Januar musste er schon im November besingen, und den Mai im März. Zwölf Monate lang war er dem Jahr um sechs Wochen voraus. Er konnte nicht "nach der Natur" arbeiten, sondern nur "aus dem Gedächtnis", und darauf war, wie er bald merkte, kein Verlass. (...)Die hier gesammelten Gedichte schrieb ein Großstädter für Großstädter. Er versuchte sich zu besinnen. Denn man kann die Besinnung verlieren, aber man muss sie wiederfinden. Man müsste wieder spüren: Die Zeit vergeht, und sie dauert, und beides geschieht im gleichen Atemzug. Der Flieder verwelkt, um zu blühen. Und er blüht, weil er welken wird. Der Sinn der Jahreszeiten übertrifft den Sinn der Jahrhunderte.
Die zweite Austreibung aus dem Paradies hat stattgefunden. Und Adam und Eva haben es diesmal nicht bemerkt. Sie leben auf der Erde, als lebten sie darunter. Ausflüchte sind keine Auswege. Schussfahrten sind Ausflüchte. Was, nun gar, könnten ein paar Verse vermögen? Sie wurden trotzdem notiert. Es hatte, wieder einmal und wie so oft, das letzte Wort - das kleine Wort Trotzdem.


Die dreizehn Monate wurden bis auf den April vollständig für vierstimmgen Gesang vertont.
 
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